4 – Jahre nach dem Krieg den Neuanfang gewagt

Mit dieser Anzeige lud der seit der Vorkriegszeit amtierende Arnold Göbel zur Neugründung des Vereins ein.

Nach der Besetzung Deutschlands durch die alliierten Streitkräfte übernahmen 1945 die Engländer die Verwaltung des Siegerlandes. Waffen wurden eingezogen. Ein Deutscher sollte nie wieder ein Gewehr in die Hand nehmen können, lautete die Vorstellung der neuen Machthaber nach dem blutigen Weltkrieg. Vereinsleben wurde unterbunden und das Vereins-vermögen des Schützenvereins von Amts wegen beschlagnahmt. Der englische Kreisreferent für die Eigentumskontrolle der  Militärregierung verkaufte das einst so schmucke Blechhäuschen in der Halbach, das noch viele Jahre in Weidenau gestanden haben soll. Ein Siegener Unternehmer namens Wolf, so weist die amtliche Verkaufsbestätigung des Besatz-ungskommandanten aus, hatte den Bau für 400 Reichsmark erworben.

Wie sich später herausstellte, waren bei der Abbruchaktion in der Halbach aber nicht nur das Schützenhaus sondern unberechtigterweise auch die beiden Schießstände mit ihrer Technik mitgenommen worden. Ein Versuch Anfang der 50-er Jahre, den Verbleib zu klären, verlief aber im Sande.

Hatten die Menschen nach dem verlorenen Krieg in den ersten Jahren andere Sorgen gehabt, als Sport und Vergnügen, so begann schon mit dem Anfang der 50-er Jahre der Neuaufbau in Deutschland. Im Juli 1951 wurde auch die Wiederbelebung des Vereins betrieben.  Arnold Göbel ergriff die Initiative und rief die Mitglieder des Netphener Schützenvereins zusammen. Mit in der Versammlung war auch der 81-jährige Wilhelm Hüttenhain sen. Er hatte 1939 vor der kriegsbedingten Pause den Vogel geschossen und brachte es somit auf eine 13-jährige Regentschaft. Dentist Krämer, der letzte Vereinsführer,  legte sein Amt nieder und in der ersten Zusammenkunft übertrug man Arnold Göbel das Präsidentenamt bis zur Einberufung der ordentlichen Mitgliederversammlung. 

Die Bilanz der ersten Mitgliederver-sammlung am 4. August 1951 im Vereinslokal Wagener fiel traurig aus. Zwar gab es ein Vereinsvermögen, das sogar den Erlös des Schützenheim-Verkaufs auswies, doch außer einem Gewehrschrank, einem Tischwimpel, zwei Schärpen und der Krone war nichts mehr aus der Gründerzeit geblieben. Auch die Königskette blieb verschwunden. Im Juli 1952 übernahm Ingenieur Wiemann die Präsidentschaft die er durch einen beruflichen Wechsel aber schon im März 1953 an Willi Germann abtrat. Das Vereinsleben kam langsam wieder in Fahrt, Aktive beteiligten sich wieder am Netphener Amtskettenschießen, eine Vereinsfahne wurde angeschafft und für die zukünftigen Schützenkönige auch eine neue Königskette. Einige ehemalige Schützenkönige  allen voran Martin Göbel und August Wagener  erklärten sich bereit, ihre Königsorden für die neue Kette zu stiften, so dass man bald wieder über eine repräsentative Auszeichnung für die Majestäten verfügte.

Die Mitgliedskarte mit der Nummer 1 wurde nach der Neugründung 1952 für Arnold Göbel ausgestellt, der schon 1927 zu dem Gründern gehörte

Der Mittelpunkt für einen Schützenverein, seine Schießstätte, aber fehlte noch. Ein angesetzter Arbeitseinsatz in der Halbach brachte im September 1952 noch keinen Fortschritt, doch am 19. Juli 1953 trafen sich Vorstand und Bauausschuss in der Halbach und beschlossen den Wieder-aufbau des Schießstandes. Mit Spenden-geld und viel Eigenarbeit zog sich der Wiederaufbau des Hauses, dieses Mal in massiver Bauweise, bis 1956 hin. Am 18. November 1956 wurde zunächst eine „stille Einweihung“ gefeiert. Ein Preisschiessen eröffnete der Tag und ein gemütliches Beisammensein schloss sich an. Die offizielle Einweihung fand erst am 8. September 1957 statt. Das Vereinskonto bei der Spar- und Darlehenskasse Netphen stand nun zwar mit 1307 Mark im Soll, doch hatte der Schützenverein von 1927 wieder ein eigenes Heim.


Mit solchen “Bausteinen“ finanzierte der Verein ab 1953 den Wiederaufbau des Schützenheimes in der Halbach.

Der Schießbetrieb fand wieder regelmäßig statt, allerdings nur auf 50 Meter Distanz mit dem Kleinkalibergewehr. Der 100-Meter-Karabinerstand war nicht wieder errichtet worden. Das Luftgewehrschießen gewann langsam an Bedeutung. Das konnte auch in geschlossenen Räumen betrieben werden, beispielsweise bei „Klörns“, dem Gasthof Wilhelm, heute die Bäckerei Eling an der Restbrücke. Auch in der Tonhalle an der Jahnstraße, die der katholischen Kirche gehörte und vom Gesangverein 1861 genutzt wurde, legten die Luftgewehr-schützen zeitweise an. Ein kurzes Vergnügen. Weil der Bühnenvorhang durchlöchert worden war, kündigten die Sänger den Schützen die Trainingsstätte.

Mitte der 60-er Jahre entstanden aus solchen Gegebenheiten neue Über-legungen, einen Schießstand im Ort zu errichten. Sogar von einem Verkauf der Halbach-Hauses war die Rede. Planungen für ein Grundstück an der Netphe brachten aber keine Fortschritte.

Dafür aber der Bau der Kulturhalle, der in dem zum Bolzplatz gelegenen Gebäudeteil ursprünglich nur verlorenes Mauerwerk im Untergeschoss vorsah. Vereinsmitglied Horst Fenske, der bei der Baufirma Demler arbeitete, wies den Weg auf, den Boden des Untergeschosses zu betonieren und in den entstandenen Räumen die neue Schießstätte einzurichten.

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