Der Schießstand des Netphener Schützenvereins im Untergeschoss der Kulturhalle ist das sportliche Zentrum, das Herz aber schlägt in der Halbach. 1929 hatten die Gründer des Vereins in dem Seitental das kleine Schützenhaus errichtet, dass sich äußerlich zwar als Wellblechhaus darstellte, innen aber gemütlich mit Holz vertäfelt war.


1 – Die Idee für einen Schützenverein
wurde bei einer Wanderung geboren

Es soll ein wunderschöner Frühlingstag des Jahres 1927 gewesen sein, als wanderbegeisterte Netphener auf dem Heimweg von einer Wanderung zum Forsthaus Hoheroth waren und die Idee geboren wurde, in Netphen einen Schützenverein zu gründen. Was in Obernetphen vor „Helmeses Huss“ auf der Straße mit Handschlag besiegelt worden war, nahmen die Beteiligten schnell in Angriff und trafen sich bereits im April des Jahres zur Gründungsversammlung des Schützenvereins Netphen.

Rund 40 Bürger trafen sich im Gasthof Brachthäuser in Obernetphen, dem heutigen Netpher Hof. Schon einen Monat später fanden sich die Mitglieder erneut zusammen, denn inzwischen hatten sie mit dem Beitritt des Lehrers Gustav Dohle eine Lösung für die Vereinsführung gefunden. Dohle wurde zum Präsidenten gewählt.

Die Zahl der Mitglieder wuchs und noch im gleichen Jahr richtete der SV Netphen sein erstes Schützenfest aus. Karl Werthenbach aus Obernau trug sich als erster König des Schützenvereins Netphen in die Regenten-liste ein. Vom ersten Mal an bis heute wird der Vogel an der Braas geschossen.

Schon ein Jahr nach der Gründung richtete der Verein sein erstes Schützenfest aus. An der Braas stellten sich die Mitglieder zum Gruppenfoto auf.

Der plötzliche Tod des Präsidenten, der beim Baden einen Herzschlag erlitten hatte, machte wenig später Neuwahlen notwendig. Mit dem Fabrikanten Wilhelm Hüttenhain Senior hatte man schnell einen würdigen Nachfolger gefunden, der die Präsidentschaft bis zum Kriegsbeginn inne hatte.

Schon kurz nach der Gründung waren die Schützenbrüder daran gegangen, ein eigenes Schützenhaus zu errichten. Den Platz dafür fanden sie im herrlich gelegenen Tal der Halbach zwischen Obernetphen und Deuz. Über die Nutzung des Geländes wurde man sich mit der Waldgenossenschaft einig. Schon 1929 feierten die Mitglieder das Richtfest der Schießstätte, die oft auch stolz als „Festhalle mit Schießstand“ bezeichnet wurde. Das Haus war als Blech- und Stahlkonstruktion geschaffen worden, doch erinnern sich die älteren Vereinsmitglieder bis heute an die schöne Innenausstattung mit Holzvertäfelung und eine große Uhr, die täglich aufgezogen werden musste.

Dass diese Uhr immer genau ging, wie Adolf Spies bis heute weiß, lag an den aktiven Mitgliedern, die nicht nur den Bau maßgeblich vorangetrieben hatten sondern sich auch in der Folgezeit häufig in der Halbach trafen. Zu diesen zählten neben Vater und Sohn Wilhelm Hüttenhain (Senior und Junior), Gustav Brüninghaus, Karl Spies, Arnold Göbel, August Vitt und Ernst Zecher.

Damals konnte der Blick noch frei hinunter in das Siegtal schweifen. Heute stehen 20 Meter hohe Fichten im Tal der Halbach.

Das Schützenhaus war aber nicht nur Vereinstreffpunkt, sondern vor allem eine Sportstätte. Vom Stahlgeländer an der Stirnseite aus wurde mit dem Klein-kalibergewehr auf 50 Meter und mit dem Karabiner auf 100 Meter geschossen. In einem abgedeckten Graben vor den Kugelfängen, so wird erzählt, saßen die Kinder der Aktiven und zeigten die Treffer an. Eine ausgeklügelte Technik erlaubte es ihnen, die beschossene Scheibe abzu-senken und auszuwerten, während gleichzeitig eine zweite Scheibe für den Schützen nach oben gezogen wurde. Mit Zahlentäfelchen, die auf eine Stange gesteckt wurden, zeigten die Kinder aus sicherer Position den 50 oder 100 Meter entfernten Schützen ihre Treffer an.

„Wenn wir wussten, wer schoss, konnten wir auch schon mal fuddeln“, weiß Adolf Spies von der Scheibenauswertung zu berichten, doch das sei sicher eine Ausnahme gewesen. Denn den Kopf durften die Kinder während des Schießbetriebs ja nicht aus der Deckung strecken.
Auch die Absicherung der Schießbahn, die von der Hütte am Hang entlang bis zu dem heutigen Waldwege-Wendeplatz verlief, war in den Vorkriegsjahren weniger aufwendig geregelt. „Es hörte doch jeder, wenn geschossen wurde. Also gab man acht“.

Auf 50 und 100 Meter Distanz ain der Halbach geschossen. Nicht nur kleine Kaliber kamen hier zum Einsatz.

Passiert ist dabei nie etwas, auch wenn ein Karabinerschütze einmal auf eine Krähe in einem Baum über dem Kugelfang anlegte und mit den Worten „Wir sind doch hier nicht auf der Jagd!“ energisch verwarnt wurde.

Die Hütte verfügte damals wie heute über fließendes kaltes Wasser, nämlich das der höher gelegenen Halbach-Quelle. Schon damals wurden darin die Getränke gekühlt. Und wie heute gab es schon in den 30-er Jahren ein Stromaggregat, dass die Versorgung mit Elektrizität in dem Waldhaus sicherstellte.

Das selbst gebaute, mit der Wasserkraft der Halbach ange-triebene Aggregat lud damals noch Batterien und die Jugend-lichen saßen abends oft lange am Schützenhaus, um die Maschine beim Aufladen der Akkus zu überwachen.

Dieses Schützenfestbild entstand 1930 noch vor dem ersten Schuss: der Adler ist noch heil und der Schützenkönig des Vorjahres Ferdinand Horn noch im Amt.
Die Schützenfestgemeinschaft im Jahr 1931. Willi Germann errang in diesem Jahr die Königswürde.